Kategorien
Reportage

Freiheit im Grünen Paradies? Deutsche Neueinwanderer in Paraguay

Bei Auswanderungswilligen steht derzeit ein Land hoch im Kurs: Paraguay. Dort suchen sie die Freiheit: die Freiheit vor der Impfpflicht, vor der deutschen Bürokratie, dem deutschen Fiskus, der Ex-Ehefrau und manchmal auch vor Interpol.

Bei Auswanderungswilligen aus Deutschland steht derzeit ein Land hoch im Kurs: Paraguay. Dort suchen sie die Freiheit; die Freiheit vor der Impfpflicht, vor der deutschen Bürokratie, dem deutschen Fiskus, der Ex-Ehefrau und manchmal auch vor Interpol.

Zwar ist das Klima im Herzen Südamerikas heiß und schwül, und es gibt in Paraguay kein Meer und auch keine Berge, dafür aber Gensoja, soweit das Auge reicht, einen florierenden Drogenhandel und Korruption auf allen Ebenen (1). Seit 75 Jahren wird das Land regiert von der rechten Colorado-Partei. Ist das ein „Hort der Freiheit“?

Freiheit im Grünen Paradies? – Deutsche Neueinwanderer in Paraguay (Quelle: Gaby Weber/YouTube)

Die Meinungen der Paraguayer über die Deutschen sind geteilt. Bei der regierenden Colorado-Partei stoßen die neuen „Deutschländer“ auf Sympathie, weil sie bei ihnen rechte Gesinnung und viele Euros vermuten. Aber die normalen Leute in Paraguay sind alles andere als glücklich über die Neuzugänge.

Besonders im Süden Paraguays wehen Fahnen mit Schwarz, Rot, Gold. Am Wurststand „El Sabor Aleman“, deutscher Geschmack, locken bei fast 40 Grad Eisbein und Currywurst.

Deutscher Geschmack in Paraguay

Die Zeitungen berichteten über eine abgeschlossene Siedlung der deutschen Impfgegner inmitten eines Sumpfgebiets und abgeschirmt von bewaffneten Wächtern: El Paraiso Verde – das „grüne Paradies“. Trägerin ist die Aktiengesellschaft Reljuv S.A. – das steht für Relax und Juvenecer, also relaxen und verjüngen. Reljuv ist eng verbunden mit der regierenden Colorado-Partei. Wer sich in das „grüne Paradies“ einkaufen will, muss tief in die Tasche greifen – viel zu tief, beklagen inzwischen etliche Aussteiger. Viele Fragen stehen im Raum. Gaby Weber ist nach Paraguay gereist und hat sich das „grüne Paradies“ angeschaut, – soweit das möglich war.

Informationen zur Reportage

Freiheit im Grünen Paradies?

Deutsche Neueinwanderer in Paraguay

Argentinien/Paraguay: 2022
Sprache: Deutsch
Länge: 43 Minuten
Realisierung: Gaby Weber

Der Film erhielt keine Finanzmittel von Dritter Seite. Wenn Sie unabhängigen Journalismus schätzen und fördern wollen, unterstützen Sie bitte Gaby Weber über Paypal.com (gaby.weber@gmx.net) oder Comdirect Bank (IBAN DE53 2004 11550192 074300 | BIC COBADEHD055).

Quellen und Anmerkungen

(1) Paraguay ist ein Binnenstaat in Südamerika, der im Osten an Brasilien, im Süden und Westen an Argentinien und im Norden und Westen an Bolivien grenzt. Das Land wurde über 60 Jahre von der rechtskonservativen und nationalistischen Partei Asociación Nacional Republicana – Partido Colorado regiert, die von großen Teilen des Militärs und der Großgrundbesitzer unterstützt wird.

Großgrundbesitz prägt die Besitzstruktur: etwa 66 % der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen gehören 10 % der Bevölkerung. Im ländlichen Raum sollen sich 85 % des landwirtschaftlichen Bodens im Besitz von lediglich 2,6 % der Eigentümer befinden. Bei einer Waldzerstörung von 400.000 ha jährlich hat die Waldfläche laut Landwirtschaftsministerium innerhalb von nur 50 Jahren um mehr als 65 % abgenommen. Da auch in Nationalparks illegal abgeholzt wird, gibt es in Paraguay praktisch keine unberührten Waldflächen mehr.

Mit geschätzten 50.000 Tonnen jährlich ist Paraguay Südamerikas größter Marihuana-Produzent. Circa 80 % des Marihuanas werden illegal nach Brasilien geschmuggelt, weitere rund 15 % nach Chile, Argentinien sowie nach Uruguay, wo 2013 der Konsum von Cannabis legalisiert wurde.

Empfehlung

Velasco – Gaby Weber im Gespräch mit Héctor Béjar

Héctor Béjar war Guerillakämpfer, Politiker und 19 Tage Außenminister von Peru. Heute ist er ein wichtiger Zeitzeuge der lateinamerikanischen und vor allem peruanischen Revolutionsgeschichte.

Woman black white. (Foto: Andrey Zvyagintsev, Unsplash.com)

Schluss mit dem Theater …

Karten auf den Tisch!

Journalismus ist entweder eine beliebige Ware und damit nutzlos oder wird von den Mediennutzern ökonomisch getragen und in ihren Händen zur vierten Gewalt.

Fotos und Video: Geran de Klerk (Unsplash.com) und Gaby Weber

Von Neue Debatte | Journalismus und Wissenschaft von unten

Neue Debatte ist das Magazin für Menschen, Kultur und Gesellschaft. Es steht für 100% Journalismus und Wissenschaft von unten - unabhängig und nicht werbefinanziert. Journalisten, Blogger, Arbeiter, Akademiker, Soziologen, Handwerker, Philosophen, Micro-Blogger, Erwerbslose, Wortkünstler, Experten und kritische Menschen aus allen Milieus und Ländern skizzieren das Zeitgeschehen aus ihrem Blickwinkel: offen, ehrlich und ohne doppelten Boden. Unterstütze uns!

Wie ist Deine Meinung zum Thema?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.