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Philosophie

Auf der Bank

Alles ist vergänglich und nichts kommt von selbst oder bleibt für immer. Und nichts wird besser, sondern alles wird anders.

Wer auf einer Bank verweilt und in die Ferne schaut, ohne sich durch die dröhnenden Schläge getakteter Zeit aus der Ruhe bringen zu lassen, dem offenbaren sich einfache Wahrheiten. Da wird deutlich, wie nichtig die gewaltig erscheinende Maschinerie um uns herum letztendlich ist. Und wie seltsam die Erwägung, man selbst spiele in dem Prozess künstlicher Erregung eine bedeutsame Rolle.

Es geht seinen Gang, das hatten schon die Riesen der Vergangenheit begriffen und erzählt. Nur wissen, wissen wollten wir es lange Zeit nicht.

Wir wollten glauben, dass da eine Instanz sei, die die Welt zum Besseren gedeihen lasse, sei es die Vernunft, das Gesetz oder gar ein höheres Wesen. Dass da etwas herrsche wie der Fortschritt, der das Hohe suche und das Niedere in die Archive der Vergangenheit verweise.

Der Blick in die Ferne, dort, wo die Sonne aufgeht, oder dort, wo sie verschwindet, er lehrt uns, dass der schöne Glaube an das Bessere, an das Fortschreiten und an das Gesetz eben nichts anderes als eine Illusion war. Es ist so, wie es ist. Wir sind eine Gattung unter vielen, die irgendwann auftauchen und dann auch wieder vergehen. Alles, alles ist vergänglich und nichts kommt von selbst oder bleibt für immer. Und nichts wird besser, sondern alles wird anders.

Und auch die unendlich reiche Zeit kann nicht gemessen werden. Sie bleibt eine relative Größe. Und der Teil, der uns davon beschieden ist, bleibt verschwindend gering. Subjektiv wie objektiv, was eine große Gerechtigkeit darstellt. Es zeigt, wie gnädig die Welt ist, auf die wir keinen Einfluss haben.

Und doch, die Existenz, so gering sie sich gestaltet, bleibt etwas zu Leistendes. Das bloße Sein ist kein Verdienst.

Das menschliche Vermögen, das Dasein durch Arbeit zu gestalten, bietet einen Raum, um zu etwas zu gelangen, einen Zustand herzustellen, den die Gattung in ihrer Unbeholfenheit das Glück nennt. Und die menschengemachten Verhältnisse, die diesen kleinen Gestaltungsspielraum versperren, die müssen verändert werden, um diesen Augenblick der Erfüllung zu ermöglichen. Das geht nur durch eigenes Handeln.

Nehmen Sie Platz auf dieser Bank. Sehen wir gemeinsam in die Ferne. Und wenn wir glauben, etwas beobachtet zu haben, was der Rede wert ist, dann lassen Sie uns gemeinsam beraten, was gut und vernünftig erscheint. Und woran wir arbeiten können. Die Ruhe wird uns diesen Zustand bescheren. Glauben Sie mir!


Ein ruhender Mensch auf einem weißen Bett. (Foto: Ahmet Ali Agir, Unsplash.com)

Alles beginnt mit dem ersten mutigen Schritt!

Journalismus hat eine Zukunft, wenn er radikal neu gedacht wird: Redaktion und Leserschaft verschmelzen zu einem Block – der vierten Gewalt. Alles andere ist Propaganda.

Foto: Vincentiu Solomon (Unsplash.com)

Von Gerhard Mersmann

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.

Eine Antwort auf „Auf der Bank“

„Auf der Bank“ ist der Titel des Beitrags von Gerhard Mersmann in der „Neuen Debatte“:

„Wer auf einer Bank verweilt und in die Ferne schaut, ohne sich durch die dröhnenden Schläge getakteter Zeit aus der Ruhe bringen zu lassen, dem offenbaren sich einfache Wahrheiten. Da wird deutlich, wie nichtig die gewaltig erscheinende Maschinerie um uns herum letztendlich ist. Und wie seltsam die Erwägung, man selbst spiele in dem Prozess künstlicher Erregung eine bedeutsame Rolle. …“

Hier meine Gedanken dazu:

Wenn Arbeit nur Qualen und nicht auch freudiges Vergnügen am Schöpfertum bereitete, gäbe es wohl auch heute noch keine Menschen, die sich dank ihrer bio-psycho-sozialen Wesenszüge ihres einmaligen Seins, einschließlich ihrer Gefühle und ihres Intellekts, gewahr werden können und, so zu bewusstem Sein gekommen, in der Lage wären, für sich selbst zu sorgen. Ihre körperliche Wohnung ermöglicht der Menschenseele das Fühlen und Erkennen, und so die Wirklichkeit bearbeiten und sich auf die Suche nach Wahrheit begeben zu können. Neugieriges Suchen und die Befriedigung allen menschlichen Verlangens sind nur durch Arbeiten möglich. Selbstbewusstsein ist erkannte Seligkeit, vernünftiges Wollen, der Wille sich freudig zu plagen, ergibt sich daraus.
Ob Friedrich Schiller böse wäre, würde man sein von Ludwig van Beethoven so einzigartig vertontes Gedicht als ”Ode an die Schöpfungswonnen” bezeichnen? Schöpfung ist begreifen, befriedigen und bewahren in einem, ist die Substanz der Freude. Nur das menschliche Bewusstsein kennt das Substantiv Freude.
„Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Räder in der großen Welten-Uhr. Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament, Sphären rollt sie in den Räumen, die des Sehers Rohr nicht kennt … Aus der Wahrheit Feuerspiegel lächelt sie den Forscher an, zu der Tugend steilem Hügel leitet sie des Dulders Bahn. Auf des Glaubens Sonnenberge sieht man ihre Fahnen weh’n, durch den Riss gesprengter Särge sie im Chor der Engel steh’n.“
Von Freude und Schönheit weiß nur der Mensch, anatomisch- physiologisch bedingte Empfindsamkeit ermöglicht, sie zu erleben und menschliche Vernunft erkennt sie im Denken.

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