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Meinung

Kriegswirtschaft: Heute Ukraine, morgen Kosovo

Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass eine Agenda befolgt wird, die auf die nachhaltige Zerstörung Europas abzielt. Das funktioniert auch deshalb, weil Schafe die Geschäfte führen, die den Instinkt der Selbsterhaltung völlig verloren haben.

Vor einigen Tagen kam die erste Meldung. Quintessenz: Serbien scheint sich aggressiv aufzustellen. Am Mittwoch ein zweiter, etwas längerer Bericht. Unter dem Strich lief die Erzählung auf die Sichtweise der ersten Meldung hinaus. Serbien mache sich daran, die freie und liberale Republik Kosovo, die nebenbei bemerkt völkerrechtlich nicht anerkannt ist, zu bedrohen (1).

Da die Arbeit der Meinungsschmieden hierzulande hinreichend bekannt ist, fällt die Prognose nicht schwer. Nach der Ukraine steht nun der nächste Konflikt ins Haus.

Und bei näherer Betrachtung fallen erhebliche Parallelen zur Ukraine auf. Es existiert dort eine ethnische wie kulturelle Bruchlinie zwischen den ethnischen Russen in Donezk und Luhansk sowie auf der Insel Krim, die in der Minderheit sind, und dem weitaus größeren ukrainischen Rest.

Der Kosovo

Verträge, die den Namen Minsk trugen, sollten diese Minderheit schützen und ihr eine Teilautonomie gewähren. Das Gegenteil war der Fall und führte unter anderem zu der Eskalation. Alles mit Wissen und aktivem Zutun der freiheitlichen Demokratien, die sich im Kriegsbündnis NATO gegenseitige Sicherheit gewähren.

Der Kosovo als staatliches Gebilde wurde von Serbien gewaltsam durch einen völkerrechtswidrigen Krieg, bei dem Deutschland eine aktive Rolle spielte, abgetrennt. In diesem Gebiet leben nach wie vor Serben, die als Minderheit ähnlich schikaniert werden wie vorher die Russen in der Ukraine. In einem Abkommen, das den Namen Dayton trägt, wurde der serbischen Minderheit im Kosovo eine Teilautonomie zugestanden, die ignoriert wird.

Dass der Kosovo zudem als Zentrum für Waffen-, Menschen- und Drogenhandel (2) gilt, hat die EU nicht davon abgehalten, diesen von den Vereinten Nationen nicht anerkannten Rumpelstaat mit jährlich bis zu vier Milliarden Euro zu subventionieren. Es hat mit seiner geostrategischen Bedeutung zu tun. Die Zerschlagung Jugoslawiens war der erste Schritt in der Dritten-Weltkriegs-Erklärung der USA und ihres Schützenvereins NATO gegen die Relikte der ehemaligen Projekte eines wie auch immer gearteten Sozialismus.

Ökonomie des Krieges

Die Agenda, denen die USA folgen, ist gleich geblieben. Die Spaltung Europas in Ost und West, die Niederzwingung aller Staaten, die sich dem neoliberalistischen Imperialismus widersetzen. Verkauft werden soll es der eigenen Bevölkerung mit dem Gedanken von Freiheit und Demokratie. Wer sich die Mühe macht, das in den Fällen von der Ukraine und nun dem Kosovo zu recherchieren, landet in Folterkammern der Tyrannei. Das einzige, was dort verteidigt wird, ist die Ökonomie des Krieges und der spätere ungehinderte Zugriff auf die Ressourcen.

Und so kann sich die gut gläubige und immer wieder in den Himmel gehobene Zivilgesellschaft der westeuropäischen Länder darauf gefasst machen, demnächst wieder einen formidablen Konflikt in Südosteuropa beobachten zu können.

Das Ziel ist die Herausnahme des Konfliktsteines Serbien. Und, auch dazu bedarf es keiner außergewöhnlicher prognostischer Fähigkeiten, unser geschäftsführender Ausschuss wird wieder Brandreden für die Freiheit halten und große Waffenpakete schnüren, um die armen und frierenden Brüder und Schwestern im Kosovo kriegsfähig zu machen.

Die Agenda und die Schafe

Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass eine Agenda befolgt wird, die auf die, benutzen wir das abgedroschene Wort, nachhaltige Zerstörung Europas abzielt. Zwist und Hass für die nächsten Generationen. Damit sich das schlingernde Imperium auf den neu ausgemachten Rivalen China konzentrieren kann.

Europa war immer ein Areal der klugen Wölfe, auf dem man nur überlebte, wenn man ebenso klug wie stark war. Nun ist es ein Park, in dem die Schafe die Geschäfte führen und den Instinkt der Selbsterhaltung völlig verloren haben.

Quellen und Anmerkungen

(1) Der Kosovo war ehemals eine autonome Region innerhalb der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, ab dem 26. April 1992 Bestandteil der neu konstituierten föderativen Bundesrepublik Jugoslawien und ab 2003 eine Teilregion der Republik Serbien. Im Februar 2008 proklamierte das Parlament die Unabhängigkeit des Kosovo. Diese ist völkerrechtlich bis heute umstritten. Die Republik Kosovo wird als unabhängiger Staat von 115 der 193 UN-Mitgliedstaaten anerkannt.

(2) SRF (12.12.2020): Drogenhandel im Westbalkan. Gangster und Politiker – Hand in Hand. Verfügbar auf https://www.srf.ch/news/international/drogenhandel-im-westbalkan-gangster-und-politiker-hand-in-hand (abgerufen am 31.12.2022).


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Alles beginnt mit dem ersten mutigen Schritt!

Journalismus hat eine Zukunft, wenn er radikal neu gedacht wird: Redaktion und Leserschaft verschmelzen zu einem Block – der vierten Gewalt. Alles andere ist Propaganda.

Foto: Michael Herren (Unsplash.com)

Von Gerhard Mersmann

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.

Eine Antwort auf „Kriegswirtschaft: Heute Ukraine, morgen Kosovo“

Gerhard Mersmann – „Kriegswirtschaft: Heute Ukraine, morgen Kosovo“ – ein Beitrag in der „Neuen Debatte“:

„Vor einigen Tagen kam die erste Meldung. Quintessenz: Serbien scheint sich aggressiv aufzustellen. Am Mittwoch ein zweiter, etwas längerer Bericht. Unter dem Strich lief die Erzählung auf die Sichtweise der ersten Meldung hinaus. Serbien mache sich daran, die freie und liberale Republik Kosovo, die nebenbei bemerkt völkerrechtlich nicht anerkannt ist, zu bedrohen.“

Hier noch dazu – Jürgen Roth und Kay Sokolowsky analysieren in ihrem Bändchen „Lügner-Fälscher-Lumpenhunde-eine Geschichte des Betrugs“ anhand historisch belegter Dokumente auch den Krieg der NATO gegen Jugoslawien:

„Titos Vielvölkergefängnis“, so hieß die Mutter aller Lügen, die vor, in und nach dem Kosovokrieg tausendfach kursierten, um ein veritables Verbrechen wider internationales Recht, den Raketen- und Bombenterror der NATO gegen die Einwohner Jugoslawiens nämlich, als heroische und gar „friedenssichernde“ Tat hoch zu schwindeln. „Titos Vielvölkergefängnis“, mit dem bösen Titel belegten erstmals 1991 deutsche Journalisten und bald auch Politiker die Bundesrepublik Jugoslawien. Dabei wurden weder besondere Einschränkungen der Reisefreiheit noch gar rassistische Verfolgungspolitik aus dem vormals semikommunistischen, inzwischen stinknormal, nämlich parteioligarchisch dirigierten Land gemeldet.
In einem „Gefängnis“, angeblich, lebten die „Völker“ respektabel „Ethnien“, weil die Zentralregierung in Belgrad ihnen die volle staatliche Souveränität nicht zugestehen mochte. Allerdings ging es den Bürgern Jugoslawiens nicht eben blendend. Die wirtschaftliche Situation des Landes hatte sich seit dem Ende des „Realsozialismus“ und damit der Sonderrolle Jugoslawiens als Pufferstaat und Umschlagplatz zwischen Plan- und Marktwirtschaft dramatisch verschlechtert. So erscholl denn auch zuerst aus jenen Regionen, die sich zugunsten ärmerer Teilrepubliken „ausgeplündert“ fühlten, der Schrei nach Autarkie sowie Unterstützung ihres nationalsozialistischen Unfugs durch das Ausland. Er wurde leider erhört. Gegen die Mehrheitsmeinung seiner EU-Kollegen und trotz vehementer Bedenken in Washington verfügte der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher die diplomatische Anerkennung Kroatiens und Sloweniens. Das war der Anlass für den Ausbruch der Sezessionskriege, die Jugoslawien in viele kleine Stücke schlugen, Zehntausenden Menschen das Leben, Hunderttausenden Gesundheit, Bleibe und Habe kosteten, von der ökonomischen Misere, die sich seither nur verschlimmerte, nicht zu reden.
Das Leid, welches Chauvinismus ebenso wie ein seltsamer Freiheitsbegriff – „jeder Clan soll frei sein, bei der UN eine eigene Botschaft zu eröffnen“ – über die Insassen des vormaligen „Vielvölkergefängnisses“ gebracht haben, konnte ihnen vier Jahrzehnte „Titoismus“ bzw. „eiserne Hand“ nicht antun. Vielleicht ist fraglich, ob die Gemetzel in der Krajina, in Bosnien-Herzegowina und schließlich im Kosovo hätten verhindert werden können, wenn die sogenannte „westliche Staatengemeinschaft“ solche Figuren wie den bekennenden Faschisten Franjo Tudjman oder dem eifernden Islamisten Alija Izetbegovic die helfende Hand verwehrt hätten. Doch würden ohne deren Solidaritätsadressen die Warlords erheblich weniger Resonanz bei dem jeweiligen Völkchen, das sie zum Bürgerkrieg mobilisierten, gefunden haben. (Roth/Sokolowsky – Lügner, Fälscher, Lumpenhunde Reclam Leipzig 2000)

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