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Meinung

Das Jahr 2023: Mut, Glück und Erfolg!

Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates und erster stellvertretender Vorsitzender der militärisch-industriellen Kommission der Russischen Föderation, hat für das Jahr 2023 eine Prognose gewagt, die völlig absurd erscheint. Schaut man sich die Vorhersagen an, die in der heimischen Hemisphäre gehandelt werden, sind auch dort Spekulationen zu entziffern, die eine ähnliche Wahrscheinlichkeit genießen wie die Aussagen Medwedews. Sie klingen zwar nicht so spektakulär, aber das liegt nicht an ihrer Realitätsnähe, sondern an der bereits etablierten Normalität für den spekulativen Irrsinn.

Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates und erster stellvertretender Vorsitzender der militärisch-industriellen Kommission der Russischen Föderation und ehemaliger Präsident Russlands, hat für das Jahr 2023 eine Prognose gewagt.

Das, was er auf seinem Telegram-Kanal von sich gegeben hat, erscheint zunächst völlig absurd.

Es lohnt sich wirklich, sich die Liste der vorhergesagten Ereignisse genau anzusehen, denn Medwedew ist in der russischen Hierarchie nicht irgendwer (in voller Länge nachzulesen auf russland.news (1), als Quelle generell zu empfehlen).

Das Vierte Reich

Da ist von einer Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union (EU) ebenso die Rede wie vom Zusammenbruch der EU als Folge dieser Wiedervereinigung. Da verleiben sich Polen und Ungarn gemeinsam die West-Ukraine ein, da gründet Deutschland ein Viertes Reich, dem unter anderem Teile Polens und das Baltikum angehören, es wird ein Krieg zwischen Frankreich und dem Vierten Reich ausbrechen, und sowohl Texas als auch Kalifornien werden sich aus den USA verabschieden und die wichtigsten globalen Aktienmärkte gehen alle nach Asien.

Es handelt sich bei dieser Prognose um keinen Fake. Es ist tatsächlich Medwedews Neujahrsbotschaft.

Bevor man jedoch dazu neigt, die Korken knallen zu lassen und die ausgelassene Stimmung des Silvesterabends am Leben zu erhalten, sollte man sich auch das ansehen, was in der eigenen Hemisphäre an Prognosen gehandelt wird. Und, schaut man genauer hin, sind auch dort Spekulationen zu entziffern, die eine ähnliche Wahrscheinlichkeit genießen wie die Aussagen Medwedews. Sie klingen zwar nicht so spektakulär, aber das liegt nicht an ihrer Realitätsnähe, sondern an der bereits etablierten Normalität für den spekulativen Irrsinn.

Irrsinn 2023

Denn wer glaubt tatsächlich, Russland stünde kurz vor der Kapitulation oder dort stünde ein Regimewechsel bevor, oder Putin würde sich erschießen oder die Bevölkerung sei an Verhältnissen interessiert, die unter dem Strich Kapitalismus in seiner radikalsten Form entsprächen?

Und wer hält die Einschätzung für eine Abbildung der tatsächlichen Kräfteverhältnisse, dass die Opponenten der NATO weltweit geächtet und isoliert seien? Wenn man den hiesigen Nachrichtenmagazinen und Zeitungen glaubt, kann man zu dem Eindruck kommen. Unterrichtet man sich jedoch über die Informationsbörsen der restlichen Welt, dann muss man zu einem vollkommen anderen Urteil gelangen.

Was nun tun mit dem korrespondierenden Irrsinn? Eine gute Frage! Auf den ersten Blick eine schwierige, aber dann doch keine so unlösbare Aufgabe. Der Ansatz liegt nach wie vor bei Sätzen, die nach wie vor gute Hilfe leisten:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ – Immanuel Kant

Angesichts der vorgestellten Prognosen ist es nicht nur der Wahlspruch der Aufklärung. Es ist der Wahlspruch für 2023! Ich wünsche allen Menschen, die sich diesen Wahlspruch zu Herzen nehmen, Glück und Erfolg!

Quellen und Anmerkungen

(1) Russland.news (31.12.2022): Medwedew schaut ins Jahr 2023. Auf http://www.russland.news/medwedew-schaut-ins-jahr-2023 (abgerufen am 3.1.2022).


Ein ruhender Mensch auf einem weißen Bett. (Foto: Ahmet Ali Agir, Unsplash.com)

Alles beginnt mit dem ersten mutigen Schritt!

Journalismus hat eine Zukunft, wenn er radikal neu gedacht wird: Redaktion und Leserschaft verschmelzen zu einem Block – der vierten Gewalt. Alles andere ist Propaganda.

Foto: Attentie Attentie (Unsplash.com)

Von Gerhard Mersmann

Dr. Gerhard Mersmann ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen. Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen.

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